Ein Baum


Anna Gajewski


Ein Baum.



Es war einmal ein Baum. Der Baum ist in einem Garten geboren und aufgewaschen, in dem alles kleiner und irgendwie grauer war als er. Alle Pflanzen, Blumen und Bäume waren entweder ein-farbig, viele waren grau. Alle Pflanzen und Bäume waren über ihr Gleichsein erfreut. Alle haben sich zugehörig gefühlt. Sie haben das sogar als Privileg gesehen. Ja, Gleichsein war ein Privileg.


Nur dieser Baum war anders. Er ist über die Pflanzen, Blumen und Bäume weit hinausgewachsen. Im Gegensatz zu anderen Bäumen war er sehr bunt, vielfarbig und auch seine Blätter hatten verschiedene Farben. Er war wie ein Regenbogen. Seine bunten Farben waren nie gleich, ständig hat sich bei ihm alles geändert! Er wollte das aber nicht. Er hat das als Fluch gesehen. Er wollte dazu-gehören und auch so klein und einfarbig sein.


Der Gärtner war auch unzufrieden. Er war glücklich mit seinen Pflanzen und Bäumen. Er wollte nicht, dass jemand über ihn und andere Pflanzen und Bäume hinauswächst. Er wollte nicht , dass sich jemand von dem kollektiven Grau unterschied. Ihn war lieber, dass alle gleich sind. Er mochte den Baum nicht. Er wollte nicht, dass er in diesem Garten ist und wächst. Er wollte ihn nicht pflegen, er versuchte seine Zweige abzuschneiden, seine Wurzeln zu verletzen, damit er nicht wachsen konnte und nicht genug Nahrung bekam. Aber das alles hat nicht funktioniert. Der Baum ist immer und immer mehr gewachsen. Er hatte in sich so viel Kraft. Er war unzerstörbar.


Der Baum war immer trauriger und einsamer. Er hat so oft versteckt geweint und fragte sich, wieso ist er so verflucht mit seinem Anderssein. Er wollte auch so klein und einfarbig sein. Aber er schaffte es einfach nicht. Er hat sich so klein gemacht, wie er konnte, aber es hat nicht funktioniert.


Er konnte natürlich über alle Bäume und Gärten hinaussehen. Er hat gesehen, dass es andere Welten außer diesem Garten gibt. Er hat gesehen , dass es andere Blumen, Pflanzen, Bäume gibt, die nicht so grau bzw. einfarbig sind. Er konnte sich mit den Sternen verbinden. Er war viel näher an den Sternen als andere Bäume.

Er wollte anderen von den Sternen und anderen Gärten erzählen, aber keiner hörte ihm zu. Keiner glaubte ihm. Sie haben sich über ihn lustig gemacht, dass er so anders ist und exzentrisch. Keiner glaubte, dass außer ihrem Garten noch viel mehr existieren kann. Keiner dachte, dass es möglich sein könnte außer in diesem Garten zu existieren

Wie kann es möglich sein andere Farben zu haben?, haben sie gelacht. Und der Gärtner war der absolute Herr und Machthaber.


Der Baum weinte nur in seiner Einsamkeit ganz leise. Sein Herz zerbrach in viele Teilchen. Er hat sich schon selber gefragt, wer Recht hat.

Kann es sein, dass ich als einziger viel mehr sehen als der Rest? Kann  das sein? Wie kann es sein, dass alle andere alles anders sehen? Vielleicht haben sie Recht? Vielleicht bilde mir nur das alles ein, vielleicht existieren andere Gärten nicht? Wie kann das sein, dass nur ich das alles sehe und der Großteil nicht?


Der Baum war immer einsamer und trauriger.er hat immer wieder versucht sich anzupassen. So klein und grau zu sein. Er hat sich selbst angelogen, er wollte glauben so klein und grau zu sein und er wollte das auch. Aber er glaubte sich selber nicht und keiner hat ihm das abgekauft.

Er fühlte sich bei der Lüge so unwohl, weil er wusste, dass er nicht grau und klein ist. Er wusste, dass er groß, bunt und einzigartig ist. Aber er hat das so unterdrückt. Das hat ihn noch trauriger gemacht.


Nachts haben ihn die Sterne getröstet und am Tag Elfen und Schmetterlinge und die Sonne. Sie hat ihn Mut gemacht nicht aufzugeben und zu seiner Stärke zu stehen. Er war sich aber so unsicher. die Sternenwesen haben aber nicht aufgegeben. Sie haben ihm Mut gemacht und ständig versuchten sie ihn zu erinnern, dass außer dem Garten sehr vieles existiert. So viel, das er selbst vergessen hat. Nur im Traum sieht er es, aber er denkt, dass es nur Träume, Phantasie oder Einbildung ist. Nachts haben ihm die Sterne Geschichten erzählt, wie schön er ist und dass es viele Orte gibt, wo er geliebt und verstanden wäre. Sie haben ihm ihre ganze Liebe geschickt, die er in diesem Garten nie erfahren hat. Er musste immer weinen, weil  er das alles, was er von den Sternen erfahren hat, in diesem garten nie kennengelernt. Das war ihm neu und doch bekannt, fern und doch nah.


Oft haben die Sterne Blumen in sein Herz gelegt. Sie haben nie aufgegeben ihn zu bestärken und an seine Größe zu erinnern. und sie haben es geschafft! Der Baum wurde immer stärker und sogar größer. Er hatte nicht mehr im Sinn sich anzupassen oder klein zu machen. Er hat seine wahre Stärke gelebt, egal wie die Umstände waren, wie  klein und grau der Garten war. Er war einfach er selbst und hat seine Größe gelebt. Nichts konnte ihn erschüttern!


Die Blumen und die anderen Bäume um ihn herum waren von seiner Größe fasziniert und haben tatsächlich überlegt, ob der Baum doch nicht Recht hatte.

Der Baum war immer glücklicher und die Umstände waren ihm egal. Er brauchte diese grauen Pflanzen nicht. Er hatte sich und nachts die Sterne.


Aber die anderen Blumen,  Pflanzen und Bäume waren von ihm so inspiriert und fasziniert, dass sie auch nicht grau oder einfarbig sein wollten. Sie haben sich entschieden zu wachsen und neue Farben zu bekommen. Und so ist es passiert, sie sind gewachsen und der Garten wurde bunt. Sie haben selbst andere Gärten gesehen und wollten weiter wachsen und blühen. Sie wollten die graue Zeit vergessen. Und so ist es geschehen.


Der Gärtner musste gehen.


Manchmal passt ein Baum nicht zu einem Garten, aber ohne diesen Baum könnte der Garten nicht existieren.